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Quartals-/Jahresbericht der Kommunalen Arbeitsförderung Ortenaukreis zum 31.12.2016

Anhaltender flüchtlingsbedingter Anstieg der Fallzahlen

Arbeitsvermittlungen und Fördermaßnahmen auf hohem Niveau

Endspurt bei PEP – dem Projekt für Langzeitarbeitslose

Offenburg, 19.01.2017 – Für das vierte Quartal 2016 vermeldet die Kommunale Arbeitsförderung Ortenaukreis (KOA) einen Anstieg der Fallzahlen um 190 auf 8.574. Dies entspricht einer Zunahme um 2,3%. Der Zuwachs zum Vorjahresmonat ist mit 6,7% noch deutlicher ausgefallen. Dieser Anstieg hat keine saisonalen oder konjunkturellen Ursachen, sondern liegt ausschließlich in der Zuwanderung begründet. Ohne die 741 flüchtlingsbedingten Fallzahlzuwächse im vergangenen Jahr hätte sogar ein Rückgang um 202 Bedarfsgemeinschaften stattgefunden. Dieser Trend wird sich in den kommenden Monaten fortsetzen.

Die Arbeitslosenzahlen sind in den vergangenen Monaten etwas gesunken, liegen aber nach wie vor deutlich über dem Vorjahresmonat (um 254 bzw. plus 5,7% auf 4.683).

Mit 547 Arbeitsvermittlungen im vierten Quartal konnten wieder gute Integrationserfolge erzielt werden. Im Dezember 2016 waren 1.553 Maßnahmeteilnehmer gelistet, dies entspricht einer Zunahme von 367 gegenüber dem Vorjahresmonat – die verbesserte Budgetsituation hat hier neuen Gestaltungsspielraum eröffnet.

Im Rahmen des ESF Bundesprogramms für Langzeitarbeitslose hat die KOA im Jahr 2015 das Projekt „Perspektiven planen“ – kurz PEP – initiiert. Bis Ende Juli dieses Jahres können aus diesem Programm noch rund 40 Beschäftigungsverhältnisse mit einem Lohnkostenzuschuss von bis zu 75% gefördert werden – der Endspurt hat somit begonnen.

1 Entwicklung der Bedarfsgemeinschaften

Im letzten Quartal sind die Fallzahlen deutlich angestiegen: So ist die Zahl der Bedarfsgemeinschaften (BG) im vierten Quartal um 2,3% auf 8.574 gestiegen. Der Zuwachs zum Vorjahresmonat ist mit 6,7% noch deutlicher ausgefallen. Dieser Anstieg hat keine saisonalen oder konjunkturellen Ursachen, sondern liegt ausschließlich in der Zuwanderung begründet. Ohne die 741 flüchtlingsbedingten Fallzahlzuwächse im vergangenen Jahr hätte sogar ein Rückgang um 202 Bedarfsgemeinschaften stattgefunden.

Längerfristig betrachtet steigen die Fallzahlen bei der KOA nunmehr bereits im vierten Jahr in Folge – es ist davon auszugehen, dass sich dieser Trend zumindest bis einschließlich 2018 fortsetzen wird.

Übersicht 1: Entwicklung der Bedarfsgemeinschaften

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Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften ist im Bundesgebiet im Vergleich zum Vorjahr um 0,7% gestiegen. In Baden-Württemberg erfolgte jedoch im selben Zeitraum eine Zunahme um 5,4%. Im Ortenaukreis fiel der Anstieg mit 6,7% sogar noch etwas höher aus, lag damit aber geringfügig über der Zunahme unserer Vergleichsregionen (plus 6,9%).

Übersicht 2: Entwicklung der Bedarfsgemeinschaften im regionalen Vergleich

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2 Entwicklung der Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosenzahlen sind in den vergangenen Monaten etwas gesunken, liegen aber nach wie vor deutlich über dem Vorjahresmonat (plus 5,7%). Im Bereich der unter 25-jährigen hatte die Arbeitslosigkeit im ersten Quartal um über 100 Jugendliche und junge Erwachsene zugenommen (= plus 50,7%) und hält sich seitdem auf diesem Niveau – zuletzt mit etwas sinkender Tendenz.

Übersicht 3: Entwicklung der Arbeitslosigkeit

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3 Arbeitsvermittlungen / Integrationen in den Arbeitsmarkt

Im vierten Quartal haben 448 Arbeitssuchende eine sozialversicherungspflichtige bzw. selbständige Erwerbstätigkeit aufgenommen. Hinzukommen 99 Arbeitsaufnahmen auf dem sog. „zweiten Arbeitsmarkt“. Insgesamt haben im vierten Quartal somit 547 Arbeitsmarktintegrati-onen stattgefunden.
Im Jahresvergleich hat die Zahl der Vermittlungen von 2.414 (2015) auf 2.200 (2016) zwar geringfügig abgenommen, dies wurde aber vor allem durch den Rückgang der Arbeitsaufnahmen auf dem 2. Arbeitsmarkt verursacht.

Übersicht 4: Arbeitsvermittlungen / Integrationen

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4 Arbeitsfördermaßnahmen

Qualifizierungs-, Aktivierungs- und Trainingsmaßnahmen

Gerade bei langzeitarbeitslosen Menschen sind oft verschiedene Vermittlungshemmnisse vorhanden, die einem direkten (Wieder-)Einstieg in das Arbeitsleben entgegenstehen. Durch Qualifizierungs-, Aktivierungs- und Trainingsmaßnahmen sollen die Arbeitsuchenden fit gemacht werden für den ersten Arbeitsmarkt. Um eine positive Wirkung erzielen zu können, wurde das Maßnahmeangebot von der Kommunalen Arbeitsförderung in den vergangenen Jahren bedarfsgerecht ausgebaut. So waren im Dezember 2016 1.553 Teilnehmer in Arbeitsfördermaßnahmen gelistet. Dies entspricht einem Anstieg um 367 gegenüber dem vorangegangenen Quartal und bildete damit einen Höchststand innerhalb der letzten Jahre. Insbesondere die Teilnahmen an sogenannten Drittfinanzierten Maßnahmen z.B. Integrationssprachkurse sind im letzten Jahr gestiegen (+816/+21%).

Beschäftigungsmaßnahmen

Die Zuweisung von Arbeitslosengeld II-Empfängern in Beschäftigungsmaßnahmen ist eine bedeutende arbeitsmarktpolitische Strategie bei der Aktivierung Arbeitsloser, die auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht oder nicht auf Anhieb vermittelbar sind. Dies erhält und verbessert nicht nur deren Beschäftigungsfähigkeit, es gelingt auch häufiger, sie aus solchen Maßnahmen unmittelbar in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu vermitteln.

Arbeitsgelegenheiten (Zusatzjobs) stellen den größten Anteil an Beschäftigungsmaßnahmen. Ihre Zahl lag im Dezember bei 240 und ist damit zum ersten Mal seit vielen Monaten wieder angestiegen. Das Niveau früherer Jahre konnte jedoch noch nicht erreicht werden. Im Rahmen des Landesarbeitsprogramms („Passiv-Aktiv-Transfer“) wurden bislang 57 Beschäfti-gungsverhältnisse realisiert – Ende 2016 existierten davon noch 3 Arbeitsverhältnisse.

Aktuell befinden sich in der Summe 1.793 erwerbsfähige Leistungsberechtigte in einer Arbeitsförder- oder Beschäftigungsmaßnahme der KOA, dies sind 15,2% aller dem Arbeitsmarktmarkt zur Verfügung stehenden Personen. Damit ist die Zahl der Maßnahmeteilnehmer gegenüber dem vorangegangenen Quartal deutlich angestiegen und befindet sich auf dem Niveau des bisherigen Höchststandes vom März 2014. Ursache sind diverse neue Maßnahmen, die für die Zielgruppe Flüchtlinge initiiert wurden.

Übersicht 5: Qualifizierungs- und Beschäftigungsmaßnahmen

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5 Bildung und Teilhabe

Die zum 01.01.2011 eingeführten Regelungen des Bildungs- und Teilhabepaketes haben sich im Bereich der Existenzsicherung etabliert. Zusätzlich zu den Regelbedarfen, den Mehrbedarfen und einmaligen Leistungen und zu den Unterkunftskosten gibt es noch die Möglichkeit, folgende Leistungen zu erhalten:

  • Übernahme der Kosten für eintägige Schulausflüge und mehrtägige Klassenfahrten
  • Zuschuss zum persönlichen Schulbedarf
  • Übernahme von Schülerbeförderungskosten
  • Zuschuss für die Kosten der Lernförderung
  • Zuschuss zu den Kosten für gemeinschaftliche Mittagsverpflegung in Schulen und Kindertageseinrichtungen
  • Beitrag zur Teilnahme an gesellschaftlichen und kulturellen Angeboten

Um die Leistungen gewähren zu können, besteht Antragspflicht. Die Inanspruchnahme ist konstant hoch; am meisten nachgefragt wird weiterhin die Übernahme der Kosten der Mittagsverpflegung für Kinder in Tageseinrichtungen oder Schulen.

Damit die Leistungen auch bei den Kindern und Jugendlichen ankommen, sollen diese an die Anbieter der Leistungen überwiesen werden. Durch eine Modifizierung des Gesetzes ist zwischenzeitlich auch eine Überweisung an die Eltern möglich, sofern diese in Vorleistung getreten sind. Dies ist für viele Fälle eine Verwaltungsvereinfachung.
Anspruchsberechtigt sind nicht nur Kinder aus Familien, die Leistungen nach dem SGB II beziehen, sondern auch aus Familien, denen Wohngeld oder Kinderzuschlag nach dem SGB XII bewilligt wird. Auch wer Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhält, kann einen Anspruch auf das Bildungspaket haben.
2016 wurden im Bereich des Bildungs- und Teilhabepaketes insgesamt 37.091 Leistungen für 7.781 Personen mit einem Gesamtbetrag von rund 1,62 Millionen Euro bewilligt.

Übersicht 6: Verteilung der Kosten nach Rechtskreise und nach Bedarfe

QB 04-2016 66 Flüchtlinge: Fallzahlentwicklung, organisatorische Veränderungen und neue Arbeitsfördermaßnahmen

Asylbewerber haben nach erfolgter Registrierung zunächst Ansprüche nach dem Asylbewerberleistungsgesetz und fallen in die Zuständigkeit der Arbeitsagenturen bzw. des SGB III. Anerkannte Flüchtlinge mit Aufenthaltserlaubnis wechseln in das SGB II und erhalten als erwerbsfähige Leistungsberechtigte Arbeitslosengeld II und als nicht Erwerbsfähige Sozialgeld. Die Asylsuchenden erreichen somit zeitversetzt das SGB II und erhöhen die Fallzahlen der KOA.

Übersicht 7: Fallzahlenentwicklung der Flüchtlinge

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Quelle: eigene Auswertungen

Im Dezember 2015 erhielten 471 Bedarfsgemeinschaften mit Personen aus den Flüchtlings-Hauptzugangsländern Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Pakistan und Syrien SGB II-Leistungen von der KOA. Dieser Bestand erhöhte sich in den vergangenen zwölf Monaten um 742 auf 1.213 (= plus 158%). Die Mehrheit der Asylbewerber kommt aus Syrien (65%), ein großer Anteil (30%) ist zwischen 15 und 25 Jahre alt.

Übersicht 8: Altersstruktur der Flüchtlinge

QB 04-2016 8Im Jahresverlauf 2016 erwarteten wir zunächst durchschnittlich rund 75 Fallzugänge pro Monat, real sind im Durchschnitt rund 62 Zugänge an Bedarfsgemeinschaften zu verzeichnen gewesen. Im Jahr 2017 gehen wir von durchschnittlich 80 Zugängen pro Monat aus, im Jahr 2018 von einem deutlich geringeren Zugang in Höhe von 25.

Gerade bei Flüchtlingen steht der Erwerb der deutschen Sprache im Vordergrund, da eine nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt erst mit Vorliegen ausreichender Sprachkenntnisse möglich ist. Im Dezember 2016 befanden sich 468 Personen in Integrations- bzw. Sprachkursen.

Im vergangenen Jahr konnten bereits ca. 100 Flüchtlinge in Arbeit integriert werden – wobei es sich hierbei überwiegend um Personen handeln dürfte, die bereits seit 2015 SGB II-Leistungen beziehen.

7 Endspurt bei Pep

Im Rahmen des ESF-Bundesprogramms für Langzeitarbeitslose hat die KOA im Jahr 2015 das Projekt „Perspektiven planen“ – kurz PEP – initiiert. Dieses Programm wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Bundesministeriums Arbeit und Soziales (BMAS) finanziert und soll zum Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit beitragen.

Viele arbeitslose Menschen – auch wenn sie bereits seit mehreren Jahren SGB II-Leistungen beziehen – wollen gerne wieder arbeiten. Sie sind motiviert und dankbar, wenn sie die Chance erhalten, wieder Teilzeit oder Vollzeit ins Berufsleben zurückkehren zu können. Mit entsprechenden Hilfestellungen können sie ihre Fähigkeiten entwickeln und gut in einen Betrieb integriert werden.

Um Personen ohne verwertbaren Berufsabschluss eine neue berufliche Perspektive zu er-öffnen, bietet PEP Arbeitgebern, die einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsvertrag für mindestens 24 Monate anbieten, eine umfassende Unterstützung: Zum einen durch Zahlung von Lohnkostenzuschüssen, die anfänglich 75% der anfallenden Lohnkosten betragen. Zum anderen durch das regelmäßige Coaching der Teilnehmer. Ziel dieses Coachings ist unter anderem die gemeinsame Bewältigung von Alltagsituationen, denen langzeitarbeitslose Menschen gegenüberstehen, wenn sie wieder Arbeit aufnehmen. Dies können Hilfestellungen bei arbeitsplatzbezogenen Themen, der Neustrukturierung des Alltags oder bei persönlichen Problemen und vieles mehr sein.

Betriebsakquisiteure beraten die förderfähigen Langzeitarbeitslosen und Arbeitgeber im Vorfeld und auch während der Arbeitsaufnahme. Qualifizierte Coaches stehen dem Arbeitnehmer und Arbeitgeber nach erfolgter Arbeitsaufnahme regelmäßig zur Verfügung, um das Beschäftigungsverhältnis langfristig zu festigen. Hierzu können auch Qualifizierungs- und Mobilitätshilfen gewährt werden.

Ziel von PEP ist es, insgesamt 100 langzeitarbeitslose Bürgerinnen und Bürger aus dem Ortenaukreis wieder dauerhaft in Lohn und Brot zu bringen, 60 Beschäftigungsverhältnisse existieren derzeit, 40 weitere können bis Ende Juli dieses Jahres noch gefördert werden – der Endspurt hat somit begonnen.

Weitere Informationen und eine Auswahl an Bewerbern findet man unter: www.koa-pep.de

8 Finanzen

Nachdem das Bundesministerium für Arbeit und Soziales den Jobcentern im Herbst vergangenen Jahres die Verteilung der originären Mittel für Leistungen zur Eingliederung in Arbeit und für Verwaltungskosten der Grundsicherung für Arbeitssuchende mitgeteilt hatte, erhielt die KOA vor wenigen Wochen die bereits lange erwartete Mitteilung über zusätzliche Budgets für die flüchtlingsbedingten Mehrbedarfe. Hierbei handelt es sich um eine vorläufige Zuweisung, die in zwei Tranchen zur Verfügung gestellt wird.

Aufgrund des Zustroms der Flüchtlinge und dem damit verbundenen Zuwachs von SGB II-Anspruchsberechtigten wurde eine Aufstockung der Mittel unabdingbar. Im Verwaltungsbudget werden erhöhte Kosten durch zusätzliches Personal entstehen, das aufgrund des wachsenden Personenkreises der Flüchtlinge notwendig ist. Ebenso entstehen neue Anforderungen und steigende Kosten im Eingliederungsbudget durch Konzipierung und Akquirierung notwendiger Arbeitsfördermaßnahmen.

Die vorläufigen und hochgerechneten Budgets für 2017 betragen in der Summe im Bereich Verwaltung 12,74 Mio. Euro, im Bereich Eingliederung 9,53 Mio. Euro und bei den Drittmittel 2,33 Mio. Euro.

Übersicht 9: Entwicklung der Budgets
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Finanzielles Schwergewicht beim Finanzanteil des Kreises sind die Ausgaben für die Kosten der Unterkunft (KdU). Der gesamte Aufwand hierfür in Höhe von 36,5 Mio. Euro wurde – nach vorläufigen Kalkulationen – mit 24,4 Mio. Euro aus dem Kreishaushalt finanziert. Demnach sind diese Kosten gegenüber dem Vorjahr um 6,4 Prozent gestiegen, was im Wesentlichen durch den flüchtlingsbedingten Fallzahlenanstieg bedingt ist.

Der Bund hat zugesichert, die flüchtlingsbedingten Unterkunftskosten vollumfänglich zu übernehmen. Zu diesem Zweck hat er die Bundesbeteiligung an den Unterkunftskosten rückwirkend für das Jahr 2016 um 5% erhöht und hat angekündigt, auch für die nächsten Jahre – vorläufig bis 2018 – die entsprechenden Kosten zu erstatten.