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11.10.2016

Quartalsbericht der Kommunalen Arbeitsförderung Ortenaukreis zum 30.09.2016

Anhaltender flüchtlingsbedingter Anstieg der Fallzahlen bei der KOA im dritten Quartal 2016

Offenburg, 11.10.2016 – Für das dritte Quartal 2016 vermeldet die Kommunale Arbeitsförderung Ortenaukreis (KOA) einen Anstieg der Fallzahlen um 14 auf 8.384. Dies entspricht einer Zunahme von lediglich 0,2%. Gegenüber dem dritten Quartal 2015 hat sich die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 418 erhöht (= plus 5,2%). Dieser Anstieg hat keine saisonalen oder konjunkturellen Ursachen, sondern liegt ausschließlich in der Zuwanderung begründet. Ohne die rund 530 flüchtlingsbedingten Fallzahlzuwächse seit Januar 2016 hätte sogar ein Rückgang der Bedarfsgemeinschaften stattgefunden. Dieser Trend wird sich in den kommenden Monaten fortsetzen. Die Arbeitslosenzahlen sind in den vergangenen drei Monaten aus saisonalen Gründen geringfügig gesunken (minus 1,9%), liegen aber deutlich über dem Vorjahresquartal (plus 5,9%).

Im Jahresverlauf 2016 konnten bereits 92 Personen aus den acht Flüchtlingshauptzugangsländern in Arbeit integriert werden, 129 Flüchtlinge befinden sich derzeit in Arbeitsfördermaßnahmen.

1 Entwicklung der Bedarfsgemeinschaften

Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften (BG) ist im dritten Quartal um 14 auf 8.384 angestiegen. Dies entspricht einer Zunahme von lediglich 0,2%. Gegenüber dem dritten Quartal 2015 haben sich die Fallzahlen allerdings um 418 erhöht (= plus 5,2%). Dieser Anstieg hat keine saisonalen oder konjunkturellen Ursachen, sondern liegt ausschließlich in der Zuwanderung begründet. Ohne die rund 530 flüchtlingsbedingten Fallzahlzuwächse allein in den letzten 9 Monaten, hätte sogar ein Rückgang der Bedarfsgemeinschaften um 180 stattgefunden. Dieser Trend wird sich in den kommenden Monaten fortsetzen.

Übersicht 1: Entwicklung der Bedarfsgemeinschaften

QB 03-2016 Grafik 1

Ein überregionaler Vergleich der Fallzahlen zeigt, dass die Entwicklung im Ortenaukreis ähnlich verlief, wie in vergleichbaren Regionen: So verzeichnete Baden-Württemberg in den letzten beiden Jahren eine Zunahme um 5,4%, bei den zum SGB II-Typ 1d gehörenden Grundsicherungsträgern sind die Fallzahlen um 5,6% gestiegen und im Ortenaukreis um 5,7%. Im Bundesgebiet hat demgegenüber im selben Zeitraum ein Rückgang um 0,9% stattgefunden.

Übersicht 2: Entwicklung der Bedarfsgemeinschaften im regionalen Vergleich

QB 03-2016 Grafik 2

2 Entwicklung der Arbeitslosigkeit

Nachdem die Arbeitslosigkeit im Jahresverlauf 2015 nahezu stagniert hatte, ist die Zahl der Arbeitslosen seit Anfang 2016 – vor allem zuwanderungsbedingt – stark angestiegen und liegt zwischenzeitlich um 289 Personen über dem Vorjahresquartal (= plus 5,9%). Auch dieser Anstieg wurde hauptsächlich dadurch verursacht, dass die Zahl der arbeitslosen Flüchtlinge entsprechend zugenommen hat. Die Arbeitslosenzahlen sind somit ähnlich stark gestiegen wie die Fallzahlen, befinden sich aber mit 4.797 wieder unter dem Wert des zweiten Quartals (- 1,9%). Demgegenüber steigt die Zahl der Jugendlichen und junge Erwachsen kontinuierlich, im Vergleich zum Vorjahresquartal um 49,3%! Ursache ist die Altersstruktur der Flüchtlinge, die einen hohen Anteil unter 25-jähriger aufweist.

Übersicht 3: Entwicklung der Arbeitslosigkeit

QB 03-2016 Grafik 3

3 Arbeitsvermittlungen / Integrationen in den Arbeitsmarkt

Im dritten Quartal haben 632 Arbeitssuchende eine sozialversicherungspflichtige bzw. selbständige Erwerbstätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt aufgenommen. Hinzu kommen 62 Arbeitsaufnahmen auf dem sog. zweiten Arbeitsmarkt. Insgesamt haben 694 Arbeitsmarktin-tegrationen stattgefunden – die Zahl der Integrationen im Vorjahresquartal wurde damit leicht unterschritten (- 2%). Ein entscheidender Faktor bei den Integrationen wird in der Zukunft sein, die Flüchtlinge möglichst schnell durch gezielte Förderung arbeitsmarktnah zu qualifizieren und damit fit zu machen für Arbeitsvermittlungen – diverse Arbeitgeber würden sich über qualifizierte Zuwanderer freuen.

Übersicht 4: Arbeitsvermittlungen / Integrationen

QB 03-2016 Grafik 4

4 Arbeitsfördermaßnahmen

Qualifizierungs-, Aktivierungs- und Trainingsmaßnahmen

Gerade bei langzeitarbeitslosen Menschen sind oft verschiedene Vermittlungshemmnisse vorhanden, die einem direkten (Wieder-)Einstieg in das Arbeitsleben entgegenstehen. Durch Qualifizierungs-, Aktivierungs- und Trainingsmaßnahmen sollen die Arbeitsuchenden fit gemacht werden für den ersten Arbeitsmarkt. Um eine positive Wirkung erzielen zu können, wurde das Maßnahmeangebot von der Kommunalen Arbeitsförderung in den vergangenen Jahren bedarfsgerecht entwickelt. Im September 2016 waren 1.196 Teilnehmer in einer der-artigen Arbeitsfördermaßnahme.

Beschäftigungsmaßnahmen

Die Zuweisung von Alg II-Empfängern in Beschäftigungsmaßnahmen ist eine bedeutende arbeitsmarktpolitische Strategie bei der Aktivierung Arbeitsloser, die auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht oder nicht auf Anhieb vermittelbar sind. Dies erhält und verbessert nicht nur deren Beschäftigungsfähigkeit, es gelingt auch häufiger, sie aus solchen Maßnahmen unmittelbar in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu vermitteln. Arbeitsgelegenheiten (Zusatzjobs) stellen den größten Anteil an Beschäftigungsmaßnahmen. Ihre Zahl lag im September bei 201 und ist damit weiterhin rückläufig.

Über das ESF-Bundesprogramm zur Eingliederung langzeitarbeitsloser Leistungsberechtigter auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, in der Ortenau kurz "Pep" genannt, konnten zum Stand 30.09.2016 insgesamt 46 Personen vermittelt werden. Hiervon werden elf Arbeitnehmer über das ESF-Programm intensiv gefördert. 6 Arbeitsverhältnisse wurden jedoch zwischenzeitlich wieder beendet. Ziel ist es, bis Mitte 2017 insgesamt 100 Personen nachhaltig in Arbeit zu bringen.

Aktuell befinden sich in der Summe 1.393 erwerbsfähige Leistungsberechtigte in einer Arbeitsfördermaßnahme der KOA, dies sind 16 % aller dem Arbeitsmarktmarkt zur Verfügung stehenden Personen.

Übersicht 5: Qualifizierungs- und Beschäftigungsmaßnahmen

QB 03-2016 Grafik 5

5. Flüchtlinge: Fallzahlentwicklung, organisatorische Veränderungen und neue Arbeitsfördermaßnahmen

Asylbewerber haben nach erfolgter Registrierung zunächst Ansprüche nach dem Asylbewerberleistungsgesetz und fallen in die Zuständigkeit der Arbeitsagenturen bzw. des SGB III. Anerkannte Flüchtlinge mit Aufenthaltserlaubnis wechseln in das SGB II und erhalten als erwerbsfähige Leistungsberechtigte Arbeitslosengeld II und als nicht Erwerbsfähige Sozialgeld. Die Asylsuchenden erreichen somit zeitversetzt das SGB II und erhöhen die Fallzahlen der KOA.

Übersicht 6: Fallzahlenentwicklung der Flüchtlinge

QB 03-2016 Grafik 6

Im Dezember 2015 erhielten 471 Bedarfsgemeinschaften mit Personen aus den Flüchtlings-Hauptzugangsländern Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Pakistan und Syrien SGB II-Leistungen von der KOA. Dieser Bestand erhöhte sich im dritten Quartal gegenüber dem Jahresanfang 2016 um 531 auf 1.002 (= plus 53%). Die Mehrheit der Asylbewerber kommt aus Syrien (63%), ein großer Anteil (29,4%) ist zwischen 15 und 25 Jahre alt.

Übersicht 7: Altersstruktur der Flüchtlinge

Im Jahresverlauf 2016 erwarteten wir zunächst durchschnittlich rund 75 Fallzugänge pro Monat, also in der Summe insgesamt 900 Fälle bis zum Jahresende. Bisher lagen die Zugänge vor allem aufgrund des Zeitverzugs bei der Bearbeitung der Asylanträge noch unter den prognostizierten Zugängen. Im Jahr 2017 gehen wir von durchschnittlich 80 Zugängen monatlich aus, im Jahr 2018 von einem deutlich geringeren Zugang in Höhe von 25.

Eine spezielle Zielgruppenarbeit für Zuwanderer wurde kreisweit in allen Dienststellen eingeführt, so wie dies bereits – zumindest teilweise – bei den Zielgruppen Jugendliche/junge Er-wachsene, Ältere (Projekt 50plus) und Alleinerziehende (Projekt JuLe) bisher schon erfolgte.

Zusätzlich zu dieser dezentralen Aufgabenwahrnehmung wird seit März 2016 insbesondere für arbeitsmarktnahe Asylsuchende eine intensive Betreuung auf zentraler Ebene angeboten - jenseits der Zugehörigkeit zum Rechtskreis des SGB II oder SGB III. Dies erfolgt durch das "Zentrum zur beruflichen Integration von Flüchtlingen" (ZIF). Durch die kommunale Arbeitsförderung werden derzeit 135 arbeitsmarktnahe Flüchtlinge mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit aus den Herkunftsländern Syrien, Irak, Iran und Eritrea im ZIF betreut. Seit März 2016 wurden durch ZIF-Mitarbeiter bereits 11 Personen aus dem Rechtskreis SGB II in den ersten Arbeitsmarkt integriert. Insgesamt konnten seit Januar 92 Flüchtlinge in Arbeit integriert werden. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht dies einer Zunahme um 35 Personen (= plus 61,4%).

Gerade bei Flüchtlingen steht der Erwerb der deutschen Sprache im Vordergrund, da eine nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt erst mit Vorliegen ausreichender Sprachkennt-nisse möglich ist. Im September 2016 befanden sich 268 Personen in Integrations- bzw. Sprachkursen.

Aufgrund der steigenden Anzahl von Flüchtlingen wurden neue flüchtlingsspezifischen Maß-nahmen konzipiert. Hierzu gehören z.B. Aktivierungsmaßnahmen (u.a. Arbeiten und Leben in Deutschland (AuLiD), die durch Sprachkurse begleitet oder mit diesen verzahnt werden, Arbeitsgelegenheiten in Teilzeit, Einzelcoaching und berufliche Qualifizierungsmaßnahmen (u.a. Qualifizierung im Lager- und Metallbereich), die auf dem spezifischen Bildungs- und Erfahrungshintergrund der Flüchtlinge aufsetzen. Die neuen Maßnahmen beinhalten i.d.R. auch sozialintegrative Module (z.B. Lebenspraxis in Deutschland) und haben eine stärkere berufspraktische Ausrichtung. Grundsätzlich gilt auch hier der Leitgedanke der KOA: je passgenauer Maßnahmen auf die Teilnehmer zugeschnitten werden und genau da unterstützen, wo Kompetenzen fehlen, je größer ist der Schritt auf den Arbeitsmarkt in Richtung berufliche Integration. Im September 2016 befanden sich 129 Personen aus den acht Flüchtlings-Hauptzugangsländern in Arbeitsfördermaßnahmen.

6 Finanzen

Das Eingliederungsbudget und das Verwaltungsbudget für 2016 wurden vom Bund aufgrund flüchtlingsbedingter Mehrbedarfe erhöht, dabei richtete sich die Erhöhung nach der Zahl der Zugänge von Zuwanderern. Im Ergebnis betragen die Budgets für 2016 etwa 12 Mio. Euro für Verwaltungsausgaben und ca. 8,5 Mio. Euro. für Eingliederungsleistungen. In der Summe erhöht sich das Budget 2016 trotz des Wegfalls von Drittmittel um über 1,8 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahr.

Übersicht 8: Entwicklung der Budgets
QB 03-2016 Grafik 8
Aufgrund des durch den Zustrom an Asylsuchenden verursachten Zuwachses von SGB II - Anspruchsberechtigten war diese Aufstockung der Mittel unabdingbar. Bei den Verwaltungsausgaben entstehen erhöhte Kosten durch zusätzliches Personal und durch zusätzliche Sachkosten, im Eingliederungsbudget durch den weiteren Ausbau von Arbeitsfördermaßnahmen.

Ein großer Anteil der Kreismittel resultiert aus der Finanzierung der Unterkunftskosten. Im Jahr 2015 wurden für Unterkunft und Heizung Nettoausgaben von 32,2 Mio. Euro benötigt. Der Kreisanteil an den Unterkunftskosten lag mit 17,1 Mio. Euro um 0,9 Mio. Euro unter dem Planansatz 2015. Während sich der Bund in 2014 noch mit 31,6 Prozent an den Kosten der Unterkunft beteiligt hatte, hat er für 2015 die Kostenbeteiligung auf 35,3 Prozent erhöht. Für das Jahr 2016 gehen wir von steigenden Netto-Ausgaben für Unterkunft und Heizung in Höhe von 33,7 Mio. Euro aus. Der Bund hat zugesagt, die Bundesbeteiligung an den Kosten der Unterkunft für die Jahre 2016-2018 zu erhöhen und damit die flüchtlingsbedingten Kosten der Unterkunft zu übernehmen. Die Kostenbeteiligung wird daher im Jahr 2016 voraussichtlich um 5% auf 40,3% steigen. Der Zuschussbedarf für die Unterkunftskosten liegt damit voraussichtlich bei 17,2 Mio. Euro. Da die Fallzahlen ohne die Flüchtlingsbewegungen sinken, wird der Planansatz im Bereich der Unterkunftskosten voraussichtlich um 1,1 Mio. Euro unterschritten werden. Jedoch hat der Kreis auch zusätzliche Aufwendungen im Bereich der Einmaligen Leistungen (Erstausstattung für Wohnung und Bekleidung) in Höhe von 0,7 Mio. Euro, die nicht vom Bund übernommen werden.