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14.04.2016

Quartalsbericht der Kommunalen Arbeitsförderung Ortenaukreis zum 31.03.2016

Flüchtlingsbedingter Anstieg der Fallzahlen bei der KOA im ersten Quartal 2016

Offenburg, 11.04.2016 – Für das erste Quartal 2016 vermeldet die Kommunale Arbeitsförderung Ortenaukreis (KOA) eine Zunahme der Fallzahlen um 3,4 Prozent. Dieser Anstieg erfolgte zum einen saisonbedingt und zum anderen durch die Zuwanderung der Flüchtlinge. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist eine Zunahme von 1,4% zu verzeichnen. Die Arbeitslosenzahlen haben in den vergangenen drei Monaten noch stärker zugenommen und (plus 9,9%) und nähern sich mit 4.867 einem Fünfjahreshoch.

Der Fallzahlanstieg in den vergangenen Monaten ist ausschließlich durch die Zunahme an Migranten im Leistungsbezug verursacht worden, hierrunter rund 80 Prozent Syrer. Demgegenüber hat die Zahl an Leistungsempfängern mit deutscher Staatsbürgerschaft sogar abgenommen. Dies ist eine direkte Auswirkung der flüchtlingsbedingten Wanderungsbewegungen, die zwischenzeitlich zunehmend auch die KOA erreichen. Zur Betreuung und Arbeitsmarktintegration der neuen Leistungsempfänger wurden diverse organisatorische Veränderungen eingeleitet und Arbeitsfördermaßnahmen entwickelt.

1 Entwicklung der Bedarfsgemeinschaften

Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften (BG) ist im ersten Quartal um 270 auf 8.304 angestiegen. Dies entspricht einer Zunahme von 3,4 % und ist begründet neben dem saisonalen Anstieg vor allem im Zuzug von erwerbsfähigen Flüchtlingen. Somit ist auch gegenüber dem ersten Quartal 2015 ein Anstieg zu verzeichnen (plus 118 bzw. +1,4%). Dieser Trend wird sich in nächster Zeit fortsetzen.

Übersicht 1: Entwicklung der Bedarfsgemeinschaften

QB 01-2016 Grafik 1

Bei einem überregionaler Vergleich der Fallzahlen ist für den Ortenaukreis derzeit ebenfalls eine negative Entwicklung festzustellen: So ist die Zahl der Bedarfsgemeinschaften im Bundesgebiet im Vergleich zum Vorjahr um 1,4% zurückgegangen. In Baden-Württemberg erfolgte im selben Zeitraum eine Zunahme um 1,2% und bei den zum SGB II-Typ 1d gehörenden Grundsicherungsträgern um 0,8%. Der Ortenaukreis hat ein Plus von 1,4%.

Übersicht 2: Entwicklung der Bedarfsgemeinschaften im regionalen Vergleich

QB 01-2016 Grafik 2
jeweils (t-0 Werte)

Der Frühjahrsaufschwung setzte in den vergangenen Jahren überwiegend erst im April ein. So wird es auch in diesem Jahr erst im kommenden Quartal erste Anzeichen dafür geben, ob sich die Arbeitsmarktsituation der Langzeitarbeitslosen wieder verbessert oder der flüchtlingsbedingte negative Trend weiter die Fallzahlentwicklung dominiert.

2 Entwicklung der Arbeitslosigkeit

Nachdem die Zahl der Arbeitslosen im Jahresverlauf 2015 geringfügig abgenommen hatte, ist die Arbeitslosigkeit im 1. Quartal 2016 – saison- und vor allem flüchtlingsbedingt – stark angestiegen (plus 9,9%). Die Zahl der Arbeitslosen liegt um 337 Personen über dem Vorjahresquartal. Im Vergleich zur Fallzahlentwicklung sind die Arbeitslosenzahlen somit noch stärker gestiegen und nähern sich mit 4.867 Arbeitslosen einem Fünfjahreshoch. Auch dies wur-de hauptsächlich dadurch verursacht, dass die Zahl der arbeitslosen Flüchtlinge entsprechend zugenommen hat.

Übersicht 3: Entwicklung der Arbeitslosigkeit

QB 01-2016 Grafik 3
Besonders gravierend ist der sehr deutliche Anstieg jugendlicher Arbeitsloser (plus 79 bzw. 34,1%!). Hier verzeichnen wir die stärkste Zunahme seitdem diese Statistik erstellt wird. Ursächlich ist auch hier wieder der vermehrte Zugang an unter 25-jährigen Flüchtlingen. So sind alleine im ersten Quartal 2016 69 Personen dieser Altersgruppe aus nicht-europäischen Asylzugangsländern in die Arbeitslosigkeit eingetreten (siehe hierzu auch Kapitel 5).

3 Arbeitsvermittlungen / Integrationen in den Arbeitsmarkt

Im ersten Quartal haben 392 Arbeitssuchende eine sozialversicherungspflichtige bzw. selbständige Erwerbstätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt aufgenommen. Hinzu kommen 46 Arbeitsaufnahmen auf dem sog. zweiten Arbeitsmarkt. Insgesamt haben im ersten Quartal somit 438 Arbeitsmarktintegrationen stattgefunden. Zwar sind dies 35 Vermittlungen weniger als im Vorjahresquartal. Dieser Rückgang ist aber durch die sehr deutliche Abnahme der Integrationen in den zweiten Arbeitsmarkt verursacht worden. Demgegenüber sind sogar mehr Arbeitsuchende in den ersten Arbeitsmarkt integriert worden (+29 bzw. +8%) – was letztendlich eine erfreuliche Entwicklung ist.

Übersicht 4: Arbeitsvermittlungen / Integrationen

QB 01-2016 Grafik 4
Ein entscheidender Faktor bei den Integrationen wird in der Zukunft sein, die Flüchtlinge möglichst schnell durch gezielte Förderung arbeitsmarktnah zu qualifizieren und damit fit zu machen für Arbeitsvermittlungen – diverse Arbeitgeber würden sich über qualifizierte Zuwanderer freuen.

4 Arbeitsfördermaßnahmen

Qualifizierungs-, Aktivierungs- und Trainingsmaßnahmen

Gerade bei langzeitarbeitslosen Menschen sind oft verschiedene Vermittlungshemmnisse vorhanden, die einem direkten (Wieder-)Einstieg in das Arbeitsleben entgegenstehen. Durch Qualifizierungs-, Aktivierungs- und Trainingsmaßnahmen sollen die Arbeitsuchenden fit gemacht werden für den ersten Arbeitsmarkt. Um eine positive Wirkung erzielen zu können, wurde das Maßnahmeangebot von der Kommunalen Arbeitsförderung in den vergangenen Jahren bedarfsgerecht entwickelt. Im März 2016 waren 1.074 Teilnehmer in Arbeitsfördermaßnahmen.

Beschäftigungsmaßnahmen

Die Zuweisung von Alg II-Empfängern in Beschäftigungsmaßnahmen ist eine bedeutende arbeitsmarktpolitische Strategie bei der Aktivierung Arbeitsloser, die auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht oder nicht auf Anhieb vermittelbar sind. Dies erhält und verbessert nicht nur deren Beschäftigungsfähigkeit, es gelingt auch häufiger, sie aus solchen Maßnahmen unmittelbar in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu vermitteln.

Arbeitsgelegenheiten (Zusatzjobs) stellen den größten Anteil an Beschäftigungsmaßnahmen. Ihre Zahl lag im März bei 229 und ist damit weiterhin rückläufig. Im Rahmen des Landesarbeitsprogramms („Passiv-Aktiv-Transfer“) wurden bislang 60 Beschäftigungsverhältnisse realisiert – 56 von ihnen wurden zwischenzeitlich wieder beendet.

Über das ESF-Bundesprogramm zur Eingliederung langzeitarbeitsloser Leistungsberechtigter auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, in der Ortenau kurz "Pep" genannt, konnten zum Stand 31.03.2016 insgesamt 20 Personen vermittelt werden. Hiervon werden sieben Arbeitnehmer über das ESF-Programm intensiv gefördert. Ende Februar 2016 wurden die Förderrichtlinien geändert, sodass ein größerer Personenkreis gefördert werden kann. Ziel ist es, bis Mitte 2017 insgesamt 100 Personen nachhaltig in Arbeit zu bringen.

Aktuell befinden sich in der Summe 1.303 erwerbsfähige Leistungsberechtigte in einer Arbeitsfördermaßnahme der KOA, dies sind 15 % aller dem Arbeitsmarktmarkt zur Verfügung stehenden Personen.

Übersicht 5: Qualifizierungs- und Beschäftigungsmaßnahmen

QB 01-2016 Grafik 55 Flüchtlinge: Fallzahlentwicklung, organisatorische Veränderungen und neue Arbeitsfördermaßnahmen

Asylbewerber haben nach erfolgter Registrierung zunächst Ansprüche nach dem Asylbewerberleistungsgesetz und fallen in die Zuständigkeit der Arbeitsagenturen bzw. des SGB III. Anerkannte Flüchtlinge mit Aufenthaltserlaubnis wechseln in das SGB II und erhalten als erwerbsfähige Leistungsberechtigte Arbeitslosengeld II und als nicht Erwerbsfähige Sozialgeld. Der derzeitige Zustrom an Asylsuchenden erreicht somit zeitversetzt das SGB II und erhöht die Fallzahlen der KOA.

Im Dezember 2015 erhielten 1.250 Personen aus den Flüchtlings-Hauptzugangsländern Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Pakistan und Syrien SGB II-Leistungen von der KOA. Dieser Bestand erhöhte sich im ersten Quartal 2016 um 375 auf 1.625 (= plus 30,0%). Den größten Zugang verzeichnet die Gruppe Jugendlicher und junger Erwachsener im Alterskorridor zwischen 15 und 25 Jahren mit einem Plus von 43,7%.

Übersicht 6: Übersicht der Fallzahlenentwicklung der Flüchtlinge

QB 01-2016 Grafik 6
Im Jahresverlauf 2016 erwarten wir durchschnittlich rund 75 Fallzugänge pro Monat, also in der Summe insgesamt 900 Fälle bis zum Jahresende, bzw. rund 450 Fälle im Jahresdurchschnitt.

Bislang gab es keine spezielle Zielgruppenarbeit für Zuwanderer. Vor dem Hintergrund der großen Bedeutung, die diese Personengruppe künftig erlangen wird, wird diese derzeit kreisweit in allen Dienststellen eingeführt, so wie dies bereits – zumindest teilweise – bei den Zielgruppen Jugendliche/junge Erwachsene, Ältere (Projekt 50plus) und Alleinerziehende (Projekt JuLe) bisher schon erfolgte. Dabei wird differenziert nach arbeitsmarktfernen Personen einerseits, die im Rahmen des dezentralen Regelgeschäfts betreut werden, einschließlich der Gewährung passiver Geldleistungen. Demgegenüber werden Asylsuchende mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit und vorhandener Arbeitsmarktnähe vor allem vermittlerisch betreut mit dem Ziel einer zügigen Arbeitsmarktintegration.

Zusätzlich zu dieser dezentralen Aufgabenwahrnehmung wird seit vergangenem Monat insbesondere für arbeitsmarktnahe Asylsuchende eine intensive Betreuung auf zentraler Ebene angeboten - jenseits der Zugehörigkeit zum Rechtskreis des SGB II oder SGB III. Dies erfolgt durch das "Zentrum zur beruflichen Integration von Flüchtlingen" (ZIF), das kürzlich der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Hier sollen rund 600 arbeitsmarktnahe Asylsuchende mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit betreut werden, fokussiert auf die Herkunftsländer Syrien, Irak, Iran und Eritrea.

Die neue Zielgruppenarbeit beinhaltet natürlich erhebliche Herausforderungen hinsichtlich einer quantitativen und qualitativen Personalentwicklung. Dies gilt insbesondere für die Erfordernis ausgeprägter interkultureller Kompetenz. Auch die vorhandenen Sprachbarrieren müssen gemeistert werden, damit Beratung und Unterstützung auch ankommt Zu diesem Zweck werden unterschiedliche Formen von Dolmetschereinsätzen organisiert und genutzt.

Die steigende Anzahl von Flüchtlingen erforderte auch die Konzeption neuer, flüchtlingsspezifischen Maßnahmen, die derzeit entwickelt werden. Hierzu gehören z.B. Aktivierungsmaßnahmen, die durch Sprachkurse begleitet oder mit diesen verzahnt werden, Arbeitsgelegenheiten in Teilzeit, Einzelcoaching und berufliche Qualifizierungsmaßnahmen, die auf dem spezifischen Bildungs- und Erfahrungshintergrund der Flüchtlinge aufsetzen. So beinhalten die neuen Maßnahmen i.d.R. auch sozialintegrative Module (z.B. Lebenspraxis in Deutschland) und haben eine stärkere berufspraktische Ausrichtung. Grundsätzlich gilt auch hier der Leitgedanke der KOA: je passgenauer Maßnahmen auf die Teilnehmer zugeschnitten werden und genau da unterstützen, wo Kompetenzen fehlen, je größer ist der Schritt auf den Arbeitsmarkt in Richtung berufliche Integration.

6 Finanzen

Das Eingliederungsbudget und das Verwaltungsbudget 2016 wurden vom Bund aufgrund flüchtlingsbedingter Mehrbedarfe erhöht. Die Erhöhung richtet sich nach der Zahl der Eintritte von Zuwanderern und wird in zwei Tranchen zugeteilt. Die erste Tranche steht der KOA seit Ende Januar 2016 zur Verfügung. Das Verwaltungsbudget stieg im Vergleich zum Vorjahr um 11,1% und das Eingliederungsbudget um 10,7%. Diese durchaus erfreuliche Entwicklung ist angesichts der erhöhten Zahl an Bedarfsgemeinschaften allerdings auch bitter nötig, da die Aufwendungen im Verwaltungs- und Arbeitsförderbereich ebenfalls deutlich steigen werden.

Übersicht 7: Entwicklung der Budgets
QB 01-2016 Grafik 7
Die Budgets für aktive Arbeitsförderung und das Verwaltungsbudget sind gegenseitig deckungsfähig. Im Jahr 2015 betrug die Umschichtung in den Verwaltungshaushalt 1,56 Mio. Euro, dies entspricht einem Anteil von 15,4% des EGT. Bei den übrigen Jobcentern in Baden-Württemberg machten die Umschichtungen einen Anteil von 18,2% aus und lagen somit über dem Wert der KOA. Auch beim Ausschöpfungsgrad konnte die KOA einen besseren Wert erzielen: Lediglich rund 7.000 Euro (= 0,03%) der vom Bund zur Verfügung gestellten Mittel konnten nicht gebunden werden.

Übersicht 8: Ausschöpfungsgrades und Umschichtungen für 2015

QB 01-2016 Grafik 8

Auch im Jahr 2016 werden wieder Mittel vom Eingliederungs- in den Verwaltungshaushalt umgeschichtet. Wie hoch dieser Betrag in diesem Jahr sein wird, hängt insbesondere von Umfang der zweiten Tranche an Mittelzuweisungen ab, deren Höhe erst in den kommenden Wochen mitgeteilt wird.

Im Bereich der Drittmittel ist ein starker Rückgang durch die Beendigung des Projektes 50plus zu verzeichnen. Erfreulicherweise fließen 2016 dennoch durch die Fortführung des Projektes „Job und Leben“ (JuLe) ein Budget von 345 Tsd. Euro, aufgrund des Projektes Arbeitsplatz inklusive 168 Tsd. Euro, durch den Passiv-Aktiv-Transfer noch 35 Tsd. Euro und durch das Projekt für Langzeitarbeitslose „Pep – Perspektive planen“ 1,6 Mio. Euro dem Or-tenaukreis zu.

Ein großer Anteil der Kreismittel resultiert aus der Finanzierung der Unterkunftskosten. Im Jahr 2015 wurden für Unterkunft und Heizung Nettoausgaben von 32,2 Mio. Euro benötigt. Im Jahr 2014 waren es noch 31,9 Mio. Euro. Während sich der Bund in 2014 noch mit 31,6 Prozent an den Kosten der Unterkunft nach § 22 Abs. 1 SGB II beteiligt hat, hat der Bund in 2015 die Kostenbeteiligung auf 35,3 Prozent erhöht. Auch 2016 beträgt die Kostenbeteiligung 35,3 Prozent. Der Planansatz war mit 34,96 Mio. angesetzt. Aufgrund flüchtlingsbedingt steigender Fallzahlen wird sich der Kreisanteil nach jetziger Hochrechnung 2016 auf gut 36 Mio. Euro belaufen und damit geringfügig höher ausfallen.